Fedpol-Direktorin della Valle: «Die Mafia verkauft überteuertes Olivenöl.»

Aktualisiert: Sept 15


Tatort: Schweiz, Tatwaffe: minderwertiges Olivenöl (Bild: 123rf, Katarzyna Białasiewicz / Bildmontage evoo.expert)


In einem am 12. September 2020 veröffentlichten Interview mit der Handelszeitung sagt die Direktorin des Bundesamtes für Polizei fedpol, Nicoletta della Valle, dass die Mafia stark im Lebensmittelhandel tätig sei und dabei unter anderem überteuertes Olivenöl verkaufe. Der Verkauf von minderwertigem Olivenöl ist aber kein Geschäftsfeld, dass die Mafia für sich alleine behauptet. Der Lebensmitteleinzelhandel ist darin mindestens ebenso erfolgreich.


"150'000 Liter gefälschtes natives Olivenöl extra bei "gut geölter" Bande beschlagnahmt", titelte Europol im Online-Newsroom am 14. Mai 2019. Was war passiert? Experten der von Europol koordinierten Koalition zur Bekämpfung von Straftaten an geistigem Eigentum - IPC3 unterstützten die italienische NAS Carabinieri und das Darmstädter Landgericht in Deutschland bei der Verhaftung von 20 Personen und der Konfiszierung von 150'000 Litern gefälschten Olivenöls. Die verhafteten Kriminellen, die, so wird geschätzt, durch ihr betrügerisches Handeln jedes Jahr bis zu 8 Millionen Euro an illegalen Gewinnen einstrichen, setztem billigem Sonnenblumenöl Sojaöl zu und veränderten die Farbe des Ölgemisches mit Hilfe von Chlorophyll und Beta-Carotin, um das finale Produkt dann auf dem italienischen und dem deutschen Markt als natives Olivenöl extra zu verkaufen.


Abfüllung von Sonnnenblumenöl (Bild: Shutterstock)

«Ein Werk der Mafia», richteten viele. So schrieb DER SPIEGEL am 2. Juni 2019: "Die Tricks der Olivenöl-Mafia - Sie fälschen, panschen, färben und verdienen Millionen. Die Verbraucher haben den Schaden und eine Mitschuld." Solche Schlagzeilen lassen einen natürlich aufhorchen. Wie schlimm steht es tatsächlich um die Reinheit und die Qualität des hierzulande angebotenen Olivenöls? Sind auch wir Opfer von kriminellen Olivenölbanden?


Die gute Nachricht vorneweg. IOF - International Olive Foundation hat in der grössten jemals durchgeführten Olivenöluntersuchung in der Schweiz aus gut 200 Olivenölen lediglich zwei Produkte gefunden, die eine Fremdölkontamination aufwiesen. Allerdings, so ist festzuhalten, wenn man die entsprechenden Prüfwerte anschaut, kann dem Abfüller des Produktes keinerlei kriminelle Absicht angelastet werden, da die Verunreinigung minimal und wohl auf einen nicht ganz sauberen Abfüllprozess zurückzuführen war.


Wenig gefälschtes aber viel qualitativ minderwertiges Olivenöl

Gefälschtes Olivenöl ist im Schweizer Lebensmitteleinzelhandel eigentlich kaum mehr zu finden. Zu gross ist das Risiko, damit aufzufliegen. Allerdings, und das ist das, was uns Sorge bereiten sollte, ist das allermeiste in Schweizer Supermärkten und Discountern als extra vergine gekennzeichnete Olivenöl von mangelhafter Qualität. Ein Viertel des in den Läden unseres Vertrauens angebotenen Olivenöls ist aus qualitativer Sicht gar so schlecht, dass es den Konsumenten eigentlich nicht mehr zum Kauf angeboten werden dürfte.


Dabei hat das mit der Mafia im eigentlichen Sinn gar nichts zu tun. Denn, überteuertes, qualitativ ungenügendes Olivenöl an Mann und Frau zu bringen, ist eine Disziplin, die vorwiegend der Lebensmitteleinzelhandel sehr gut beherrscht. Nur, ist das Image des LEHs ein ganz anderes als jenes der Mafia. Wenn die Direktorin des Bundesamtes für Polizei fedpol, Nicoletta della Valle im Interview mit der Handelszeitung sagt, dass das fedpol wisse, dass die Mafia stark im Lebensmittelhandel tätig sei und beispielsweise überteuertes Olivenöl verkaufe, tönt das nach mehr Spektakel, als wenn man kundtut, dass die in unseren Supermärkten und Discountern angebotenen extra vergine Olivenöle im Grossen und Ganzen qualitativ eben doch nur minderwertige Zweitklasswaren sind.


Dem Betrug mit dem Olivenöl - egal ob von in klimatisierten, hübsch eingerichteten Büroräumlichkeiten sitzenden Krawattenträgern und Deux-Piece-Trägerinnen oder von in der Unterwelt operierenden Banden orchestriert - könnte Einhalt geboten werden. Dafür stünden mit dem Lebensmittelgesetz 817.0, den Verordnungen 817.02 und 817.022.17 sowie dem Strafgesetzbuch 311.0 durchaus ausreichende rechtliche Grundlagen zur Verfügung, die es unseren Behörden erlauben würden, den Olivenölbetrug wirksam einzudämmen.


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