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Silvan Brun im Olivenölinterview mit Stephen Wynne-Jones vom European Supermarket Magazine

Aktualisiert: 9. Aug. 2023


Stephen «Steve» Wynne-Jones, Editor des ESM European Supermarket Magazine - im Interview mit Silvan Brun
Stephen «Steve» Wynne-Jones, Editor des ESM European Supermarket Magazine (Bild: zvg)

Für die jeweilige Sommer-Ausgabe des European Supermarket Magazine steht Silvan Brun dem Editor von ESM, Stephen Wynne-Jones in Sachen Olivenöl Red und Antwort.



Stephen Wynne-Jones: Silvan, das vergangene Jahr war unter dem Gesichtspunkt Kostenmanagement/Inflation eine Herausforderung - wie hat sich dies auf die Oliven- und Olivenölproduktion in den wichtigsten Märkten ausgewirkt?

Silvan Brun: «Die Situation hat sich aufgrund von zwei Faktoren zugespitzt. Einer dieser Faktoren waren die witterungsbedingten Herausforderungen in der Agrokultur und der andere in der Wirtschaft selber, die ihrerseits wiederum durch die schlechte Ernte und die soziopolitischen Ereignisse beeinflusst wurde. Olivenöl wurde aufgrund dessen praktisch weltweit erheblich teurer. Und der Verbrauch ging zurück.»



Der weltweit grösste Produzent, Spanien, musste im vergangenen Jahr einen Produktionsrückgang hinnehmen - wie wirkte sich dies auf den Markt aus?

«Spanien ist der weltweit grösste Produzent von Olivenöl und als Staat Mitglied der Europäischen Union, die ihrerseits sozusagen der wichtigste Vermarkter von Olivenöl ist. Eine hohe Volatilität der Produktionsmenge des wichtigsten Produzenten hat immer einen sehr großen Einfluss auf den Weltmarkt, vor allem was die Preise betrifft. Steigt die Produktion auf ein Rekordniveau, wie wir es 2018/2019 erlebt haben, sinken die Preise. Wenn wir hingegen eine historisch niedrige Produktion haben, steigen die Preise exorbitant. Diese Branche ist ein Opfer ihrer selbst. Jedes Unternehmen und letztlich jede Genossenschaft muss ihr Olivenöl zu einem möglichst niedrigen Preis anbieten, um Marktanteile zu gewinnen oder zu halten. In der Vergangenheit haben sich die Konkurrenten Preiskämpfe geliefert und dabei aus den Augen verloren, dass sie eigentlich denselben Wirtschaftszweig und letztlich dieselbe Landwirtschaft vertreten. Der stärkste Konkurrent - insbesondere in Zeiten dramatisch steigender Olivenölpreise - ist die Saatölindustrie.»


Wie gut ist der Olivenanbau angesichts der weltweit steigenden Temperaturen auf die klimatischen Herausforderungen vorbereitet, meinen Sie?

«Oh, die Temperaturen scheinen nicht überall auf der Welt zu steigen. Ganz im Gegenteil. Südöstlich des australischen Kontinents wächst das antarktische Eis, was gegen eine allgemeine Erwärmung der Welt spricht. Wenn Sie fragen, ob die Menschen, die Oliven anbauen, auf klimatische Veränderungen vorbereitet sind, muss ich Ihnen sagen, dass wir in unserer hochtechnisierten Welt längst viel von dem Wissen verloren haben, das frühere Zivilisationen hatten. Zum Beispiel weiss heute fast niemand mehr, was ein platonisches Jahr ist und (auch der klimatische) Wandel auf unserer Erde ist wiederkehrend und konstant in einem sehr großen zeitlichen Zusammenhang, vor dem wir uns nicht fürchten müssen. Tatsache ist aber, dass die Olivenbauern berichten, dass die Olivenjahre von Jahrgang zu Jahrgang schwieriger zu werden scheinen. Aber es ist absoluter Unsinn, dafür das Kohlendioxid verantwortlich zu machen. Ich erinnere Sie daran, dass kein einziger Olivenbaum und auch keine andere Pflanze in der Lage wäre, Blätter zu bilden, wenn es kein CO2 mehr gäbe. Aquarienliebhaber wissen das. Sie installieren CO2-Anlagen, um ihre Aquarien zu begrünen. Wir sind also dringend auf CO2 angewiesen. Wenn die Olivenbauern jetzt anfangen, elektrische Traktoren zu fahren, um damit angeblich ein Stück beizutragen, die Welt vor dem Klimakollaps zu retten, haben sie elementare Dinge nicht verstanden - im wahrsten Sinne des Wortes.»


Die Europäische Kommission hat neue Vorschriften für die Qualität und die Etikettierung von Olivenöl eingeführt - inwiefern wird dies die Produktion beeinflussen?

«Neue Richtlinien und Verordnungen werden den Olivenölmarkt nicht verändern, es sei denn, sie sind völlig disruptiv. Das zeigt die Vergangenheit. Die Branche ist alt und hat schon immer gewusst, wie man mit Änderungen der Spielregeln umgeht - meist zum Nachteil der Verbraucher, das muss man ganz klar sagen.»








Wie gross ist das Problem von falsch etikettiertem oder nicht konformem Olivenöl, und wie erfolgreich waren die Bemühungen, dagegen vorzugehen?

«Offiziell gibt es das Problem der gefälschten Olivenöle (Lebensmittelbetrug) kaum oder gar nicht. Tatsache ist jedoch, dass das Problem des Etikettenschwindels immer noch mehr als 90 % des vermarkteten Olivenöls betrifft. Wissenschaftliche Studien zeigen dies deutlich. Es handelt sich dabei um die Behauptung einer höheren Qualitätsstufe auf dem Etikett, nicht aber um einen grundsätzlichen Betrug mit gefälschten Lebensmitteln. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass Olivenöle zweiter Güteklasse immer noch als sehr gesund gelten und bedenkenlos verzehrt werden können. Die EU wird kein Interesse daran haben, hier zu sehr einzuschränken. Der EU ist es wichtig, dass genusstaugliches Olivenöl vermarktet und konsumiert wird. Hier sind Handel und Verbraucher gefordert und aufgefordert, auf sich zu achten.»



Was bringt das kommende Jahr aus Ihrer Sicht für die Oliven- und Olivenölproduktion?

«Natives Olivenöl extra aus Spanien kostet derzeit knapp 8 Euro/kg. Es wird erneut eine deutlich zu geringe Ernte erwartet, was zu weiteren Preissteigerungen im Einzelhandel führen wird. Allerdings muss man auch sagen, dass in der Vergangenheit immer zu viel Olivenöl produziert wurde. So lagerten zu Beginn der aktuellen Olivenölkampagne 2022/2023 noch 671'000 Tonnen Olivenöl aus der Vorjahreskampagne bei den Abfüllern und Genossenschaften der EU-Erzeuger. Dies entspricht fast einem Drittel der gesamten EU-Erzeugung der Kampagne 2021/2022 und fast der Hälfte der Menge, die in der letzten Kampagne in der EU erzeugt werden konnte. Umgerechnet sind das 732'532'751 Liter. Dieser "Vorrat" würde in Deutschland mit seinen derzeit 83,2 Millionen Einwohnern und einem derzeitigen Pro-Kopf-Verbrauch von 0,7 Litern für mehr als 12 Jahre reichen.


Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, dass der Preis für Olivenöl auf einem hohen Niveau bleibt. Das wäre gut für die Olivenbauern und würde dafür sorgen, dass es in Zukunft weniger Landflucht aufgrund von Verarmung gibt. Aber ich denke, es ist leider realistisch, dass wir weiterhin mit einem sehr volatilen Markt rechnen müssen, der von Saison zu Saison enorme Preissprünge machen kann.»

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