Mineralöl im Kopf


Einmal nachfüllen bitte: Mit Mineralöl belastetes Olivenöl (Bild 123RF, rclassenlayouts)


Eine grosse Medienschelte ergiesst sich dieser Tage über die Olivenölbranche. Kaum ein bekanntes deutsches Blatt schreibt nicht über die jüngsten Olivenöltestergebnisse des ÖKO-TEST, Ausgabe 5/2019, welcher Mineralölrückstände im Olivenöl thematisiert. Auch der stern hält sich mit markigen aber unreflektierten Worten nicht zurück, weshalb ich mich entschied, einem Redakteur, den ich vor einem Jahr in Florenz kennenlernen durfte, einige Zeilen zu schreiben:



Lieber Bert


Ich hoffe, es geht Ihnen gut.


Ein Stück Weissbrot wird in eine kleine Schale mit Olivenöl getunkt und saugt sich voll des grünen Goldes. In etwa so, wie es die Medien diese Tage mit den Ergebnissen des jüngsten ÖKO-TEST tun. Viele tun es. Die Olivenölschlagzeilen lassen sich gut verticken und sorgen für Klickzahlen.


Auch der stern, einst wichtiges Blatt im Kampf für bessere Olivenölqualität - unvergessen Ihr Bericht zur Azienda Olearia Valpesana -, verlor nun gestern kurz vor der deutschen Mittagszeit einige nette Worte über das Abschneiden der Olivenöle im ÖKO-TEST. Ihre Kollegin Denise Snieguole Wachter hat dazu fleissig in die Tasten gehauen, ohne sich den Diensten desjenigen Organes zu bedienen, welches am meisten Energie frisst. Das Hirn. 


Dreimal innerhalb kurzer Zeit schrieb Kollegin Wachter nun schon über oder besser gesagt gegen das Olivenöl, wobei zwei der Artikel unser Sorgenkind Bertolli / Deoleo betrafen. Ich will Bertolli beileibe keine weisse Weste zusprechen, ich will lediglich, dass Journalisten, die über Olivenöl schreiben, eine ebenso hohe Sorgfalt an den Tag legen, wie sie es von den Olivenölproduzenten und -abfüllern erwarten. Der Presserat schreibt unter Ziffer 1 "Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse." und unter Ziffer 2 "Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt." Diese Grundsätze hat Wachter wiederholt und mit aller Konsequenz missachtet. Wenn ich mir Wachters Artikel genauer anschaue, stelle ich fest, dass ihr Etikettenschwindel demjenigen einiger Olivenölprotagonisten in nichts nachsteht. Wachter betreibt Etikettenschwindel, indem sie die Konsumenten beeinflussende Behauptungen veröffentlicht, die nicht den Tatsachen entsprechen. Wie ist sie für den stern überhaupt noch tragbar. Warum schreibt gerade sie über so wichtige Themen wie Olivenöl und Lebensmittel im Allgemeinen?




«Die verdammten Weisswürste können auch krebserregend sein.»



Wachter, Weisswurst oder mit Mineralöl belastetes Olivenöl - was am gefährlichsten ist?

Wachter kopiert unreflektiert und undifferenziert von ÖKO-TEST ab und schreibt etwa, dass einige der Mineralölverbindungen krebserregend seien. Ich erinnere daran, dass MOSH lediglich in Tierversuchen zu unerwünschten Wirkungen geführt hat, das BfR dazu allerdings schreibt, dass die Relevanz dieses Befundes für den Menschen noch nicht geklärt ist. Zu MOAH führt das BfR aus, eine gesundheitliche Bewertung sei aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich. Bei MOAH geht man zurzeit lediglich davon aus, dass einige Substanzen krebserregend sein können. Aber das können die verdammten Weisswürste ja auch. Und selbst Brokkoli kann zu Krebs führen. Man spricht dabei aber immer nur von der Möglichkeitsform. Und vergessen Sie nicht, dass etwas zu viel Muskatnuss im Kartoffelstampf oder wassergestresste Zucchini um ein Vielfaches gefährlicher sind als ein mit wenig Mineralöl belastetes Olivenöl. Und wohlgemerkt habe ich hier den Indikativ verwendet, da dieser Vergleich der Tatsache entspricht.


Gleichwohl gilt natürlich, die Eintragswege für Mineralölrückstände bei der Lebensmittelproduktion und insbesondere bei der Olivenölproduktion so gut wie möglich auszuschliessen, um so die Belastungen im produzierten Öl auf ein Minimum zu reduzieren. Trotzdem wird es in der heutigen Landwirtschaft nicht möglich sein, fetthaltige Produkte gänzlich frei von Mineralölrückständen produzieren zu können. Man denke nur an Abgase. Oder an biologische  Pflanzenschutzmittel auf der Basis von reinem Paraffinöl, welche in der EU-Landwirtschaft zum Einsatz kommen dürfen und für Kreuzkontaminationen zu Ungunsten des Olivenöls verantwortlich sein können. Diese Überlegungen müsste eine Journalistin in ihren Artikel einfliessen lassen. Aber stattdessen geht es um Schlagzeilenhascherei und um ein Nachtreten gegen die angeschlagene Olivenölbranche.


Die Olivenölbranche hat wahrlich Kritik verdient. Sie hat harte Kritik verdient. Diese muss allerdings immer sachlich, fachlich sowie rechtlich korrekt sein. Denn nur dann ist sie eine gute Kritik. Und nur dann ist sie den Verbrauchern von Nutzen.


Ach, essen Sie gerne Obst, Bert? Wir haben hier bei uns, 300 Meter von uns entfernt, eine alte Hochstamm-Apfel-Anlage. Die Blüte ist bald vorbei. Im Herbst werden, wenn das Wetter mitspielt, die knallroten Dinger geerntet. Feinste Bioqualität. Allerdings mit Mineralöl belastet. Die ehrwürdigen Bäume stehen direkt an der recht viel befahrenen Landstrasse. Wäre das nicht einen stern-Artikel wert?


Beste Grüsse,

Silvan Brun




Oliven durch Europa gekarrt

Frau Wachter macht im jüngsten Artikel über die Testresultate des ÖKO-TEST aber noch weitere gravierende Fehler. So erklärt sie beispielsweise, wie es zur Oxidation von Olivenöl kommen kann:


«Bei vier Olivenölen stellten die Prüfer außerdem sensorische Fehler fest. Die Öle von Alnatura, Byodo und Naturata schmeckten ranzig, das von De Cecco stichig. Bei der höchsten Güteklasse "nativ extra" ist das eigentlich verboten. Dann müsste es als "natives" Olivenöl deklariert werden. Schmeckt ein Öl ranzig, ist es stark oxidiert. Wie es dazu kommen kann?  Um  erstklassiges  Öl zu erhalten, muss die Olive geerntet und sofort gepresst werden, nur so kann Qualität gewährleistet werden. In der Industrie ist das nicht immer der Fall. Dort werden Oliven aus verschiedenen Ländern angeliefert und über einen längeren Zeitraum gelagert. Natürlich sind darunter auch schlechte Früchte, zum Beispiel verschimmelte Oliven. Werden diese nicht aussortiert, schmeckt das  Olivenöl  später muffig und ranzig.»


Ich habe tatsächlich schon gehört, dass Oliven erstens zu spät geerntet und zweitens in der Kooperative vor der Verarbeitung zu Öl zu lange gelagert werden. Auch, dass die Oliven verschimmelt sein können, habe ich schon gelesen. Und ich habe schon vernommen, dass fertig produzierte Olivenöle mit Tankern im Mittelmeer umhergeschifft werden, um an anderen Orten in Flaschen abgefüllt werden zu können. Mir ist aber neu, dass die "Industrie", nun sogar Oliven in halb Europa umherkarren soll, um diese an einem anderen Ort, in einem anderen Land zu Öl verarbeiten zu lassen. Wenn dem so wäre, müsste diese "Industrie" in Osteuropa unbedingt Ölmühlen bauen lassen. Wichtig wäre dabei nur, dass die Oliven auf dem Transport keiner Frischluftzufuhr ausgesetzt wären - Sie wissen schon, die Abgase können zu Mineralölrückständen im Olivenöl führen.




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