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In diesem Jahr wird "Lampenöl" aufgetischt werden. Weil es nie einfacher war, mit schlechten Oliven und schlechtem Öl so viel Geld zu verdienen.



Während die Grosshandelspreise für Olivenöl aller Qualitätskategorien steigen und der Verbrauch allmählich zu sinken beginnt, steigt die Gefahr für Konsumenten, Lampantöle zu kaufen und zu konsumieren. Denn, der Verkauf von Lampantöl als "Extra Vergine" verspricht gerade jetzt in dieser Preise-Hausse unglaubliche Handelsspannen.


Es ist verrückt. Man kann es drehen und wenden, wie man will, gelangt jedoch zum immer gleichen Ergebnis: Sind die Preise für Olivenöl utopisch niedrig, wie wir es beispielsweise nach der Erntekampagne 2018/2019 gesehen haben, steigt die Gefahr, dass den Konsumenten vermehrt Lampantöl - als "Extra Vergine" deklariert - vorgesetzt wird. Erreichen die Olivenölpreise hingegen einen historischen Höchststand, wie wir ihn zurzeit erleben, passiert genau das Gleiche. Lampantöl wandert vermehrt auf die Tische - wiederum hübsch verpackt und als "Extra Vergine" ausgelobt.




Die Preis-Differenz zwischen der makellosen Güteklasse und der "unbrauchbaren" Ware beträgt zurzeit lediglich 10 Prozent.»

Silvan Brun, evoo ag




Wenn die Ölpreise nach einer Ölschwemme ins Bodenlose fallen, verdienen weder Landwirte noch Kooperativen am echten "Extra Vergine". Zu hoch sind die Aufwände für die Bauern einerseits, die gute Früchte ernten und diese mit Eile zur Mühle transportieren müssen, und für die Kooperativen andererseits, die mit relativ zeitkurzer und schonender Verarbeitung der Früchte einen bescheidenen Ölertrag erreichen, derweilen der Handel mit seiner ganzen Gewalt auf die Preise drückt. Und, immerhin ist die Preisdifferenz zwischen Extra Vergine und Lampantöl nicht wirklich gross. Wenn die Landwirte also zwischen einem riesigen Verlustgeschäft und einem weniger zusetzenden Minusgeschäft entscheiden müssen, wählen sie in aller Regel das verträglichere Minusgeschäft. Sie überlassen die Oliven ihrer selbst, bis diese sich vom lebensspendenden Mutterbaum lösen und zu Boden fallen, wo sie Wochen bis Monate vor sich hin vegetieren. Mit deutlichem Gewichtsverlust aber immer noch gleicher Ölmenge werden die Oliven im Frühjahr zur Mühle gebracht. Die Landwirte haben enorme Kosten, die üblicherweise für die Baumpflege, die Ernte und den Transport zur Mühle anfallen, eingespart. Die Mühle ihrerseits ist keinem Zeitdruck ausgesetzt, da bei den angelieferten Oliven auch das letzte Quäntchen Hoffnung auf eine einigermassen ansprechende Ölqualität längst verflogen ist. Sie holt den maximal möglichen Ölertrag durch eine ultralange Verarbeitungszeit bei zu hohen Temperaturen aus den übergärten und schimmligen Früchten heraus. Das fertige Öl ist in jedem Fall der dritten Güteklasse naturbelassener Öle - Lampantöl - zuzuordnen und ist für den Verzehr nicht geeignet. Danach gelangt das Öl über den Strassen- und oft auch über den Seeweg zu grossen Abfüllern. Über teilweise widerrechtliche Säuberungsmassnahmen (hiervon ausgenommen sind physikalische Filtrationen) werden die Olivenöle mindestens halbwegs von ihrem fürchterlichen Odeur und ihren Trübungen befreit. Im Anschluss daran werden die Öle eingelagert. Mit den unterschiedlichsten Ölen werden dann die spezifischen Blends erstellt und diese in Flaschen oder andere Behältnisse abgefüllt und schlussendlich vermarktet.



Hübsche Oliven, aus denen Lampantöl gewonnen wird (Nathaniel Noir / Alamy Stock Photo) - evoo ag
Hübsche Oliven, aus denen Lampantöl gewonnen wird (Nathaniel Noir / Alamy Stock Photo)


Erreicht der Preis für natives Olivenöl extra ein derart hohes Niveau, wie es bis vor wenigen Monaten praktisch undenkbar gewesen ist, erfahren auch die anderen, tieferen Kategorien einen massiven Preisaufschwung, weil diese sofort stärker nachgefragt werden. Das führt dazu, dass die Preisdifferenz zwischen der ersten Güteklasse "Extra Vergine" und der dritten und für den Verzehr nicht zugelassenen Güteklasse "Lampantöl" verschwinden klein bleibt. Aktuell erreichen die Preise für spanisches natives Olivenöl extra (gem. chem. Analytik) rund 9'311 € / kg, während Lampantöl für 8'359 € / kg gehandelt wird. Die Differenz zwischen der makellosen Güteklasse und der "unbrauchbaren" Ware beträgt zurzeit also weniger als einen Euro. Oder mit anderen Worten: Der Preisunterschied ist gerade einmal zehn Prozent. Sie ahnen nun, worauf ich hinaus will. Warum sollte man sich als Landwirtschaftsbetrieb die Mühe machen, makellose Oliven hervorzubringen, diese unter hohen Kosten - höher als je zuvor - zu ernten und schnellst möglich zur Mühle zu bringen, wenn doch für modrig-schimmlige und übergärte Oliven, die vom Boden - ohne erheblichen Aufwand - aufgekehrt werden können und bei faktisch gleichem Ölertrag erst noch ein deutlich geringeres Gewicht auf die Waage bringen, fast der gleiche Verkaufserlös bei gleichzeitig extrem niedrigen Kosten herausspringt? Und so bringen die Landwirte in dieser Kampagne vor allem Oliven zu den Mühlen, aus denen nichts anderes als Lampantöle gewonnen werden können. Pierluigi Tosato, der ehemalige Exekutiv-Präsident des dannzumal grössten Marken-Olivenölabfüllers der Welt, sagte einmal: «Die enttäuschenden 21% der ermittelten Proben, die nachweislich als natives Olivenöl extra gelten, stellen nach meiner Erfahrung die tatsächliche Produktionsmenge in den wichtigsten Olivenöl produzierenden Ländern dar. Auf unsere Marktsituation übertragen heisst das, dass wenn wir gegenüber den Verbrauchern ehrlich und transparent sein wollen, wir ihnen erklären müssen, dass echtes natives Olivenöl extra ein hochwertiges Lebensmittel mit vielen gesundheitlichen Vorteilen ist, für das sie bereit sein sollten, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Begleitend dazu ist es nur fair, wenn wir beginnen, den Grossteil des heute angebotenen Olivenöls als das zu bezeichnen, was es wirklich ist, nämlich natives Olivenöl oder einfacher ausgedrückt ‚Vergine‘. ‚Extra Vergine‘ ist und bleibt eine Seltenheit.» Aber schauen Sie sich doch mal im Handel um. Und, besuchen Sie die Webseiten von grossen Gastronomiezulieferern wie Pistor oder Transgourmet. Was Sie da finden, sind fast ausnahmslos Olivenöle, welche als "erste Güteklasse - Extra Vergine" deklariert vermarktet werden.




«Denn, eines dürfen Sie mir glauben: Die allerwenigsten Gastronomiebetriebe scheren sich um die Qualität des von ihnen genutzten Öls.»

Silvan Brun, evoo ag




Wenn ich aktuell nach grösseren Mengen Olivenöl der Güteklasse "Extra Vergine" suche, sind diese Mengen in der gewünschten Qualität schlicht nicht zu finden. Ein von mir eingesetzter Scout, der einer der ausgezeichnetsten Olivenölverkoster und ausserdem ein hervorragender Öl-Erzeuger ist, probiert für mich vorab auf seinen Reisen viele Ölmuster, bevor ich diese zur Verkostung in die Schweiz bestelle. Was wir momentan in Spanien antreffen, ist ernüchternd. Wenn wir beispielsweise 100 Tonnen Olivenöl der ersten Güteklasse suchen, müssen wir uns mächtig anstrengen, einen Erzeuger oder eine Kooperative zu finden, welche die benötigte Menge in der vorgegebenen Qualität lagerhaltig hat. Vieles, was wir probieren, ist im besten Fall grenzwertig. "Borderline" nennen wir das. Aktuell gerade noch "Extra Vergine", in zwei Monaten aber wohl nur noch "Vergine". Solche Öle dürfen wir niemals anrühren, wenn wir "Extra Vergine" liefern müssen. Und, während wir solche Depots links liegen lassen, kauft deren Inhalt ein anderer, der dem Handel daraus ein "vorzügliches Extra Vergine" andreht. Der Grossteil der verkosteten Öle, die man bei gängigen Erzeugern so finden kann, ist von miserabler Qualität. Vergine und noch schlimmer, lampante!


Und so dürfte es eine sich bewahrheitende Einschätzung sein, wonach in den kommenden Wochen und Monaten viel Lampantöl auf den Markt gelangen wird. Einerseits handelt es sich um minderwertiges und überlagertes Öl aus der vorjährigen oder vorvorjährigen Kampagne und andererseits wird nach und nach schlechtes Öl der laufenden Kampagne in die Ladenregale eingeräumt werden. Während man als Konsument im Zusammenhang mit der privaten Versorgung immerhin bis zu einem gewissen Punkt eine Ausweichmöglichkeit hat und zu ehrenwerten Händlern wechseln kann, ist man dieser Entwicklung "ausser Haus", wenn man essen geht, gnadenlos ausgeliefert. Denn, eines dürfen Sie mir glauben: Die allerwenigsten Gastronomiebetriebe scheren sich um die Qualität des von ihnen genutzten Öls.




«L'olio d'oliva viene dal mare»

Aus Ligurien




Auch Coop sucht offensichtlich nach neuen zweifelhaften Quellen für "neues" altes Olivenöl

Während Coop bei vielen Olivenölartikeln die Preise nach oben korrigiert hat, listete sie nun zwei neue Olivenöle, die wohl helfen sollen, den zurückgehenden Olivenöl-Konsum zu bremsen. Dabei setzt die Basler Kooperative auf einen zweifelhaften Abfüllbetrieb aus der Provinz von Genau, der eigentlich auf Private-Label-Abfüllungen spezialisiert ist, dessen Website nicht zugänglich ist und dessen letzter facebook-Eintrag vom 30 Juli 2021 stammt.


Die Region Ligurien, so muss man wissen, ist allerdings ein sehr kleiner Olivenölerzeuger und zudem nicht gerade für Qualität bekannt. So gibt es die Anekdote, wonach die Menschen Liguriens auf die Frage, woher das Olivenöl stamme, mit dem Finger aufs Meer zeigen und sagen würden «l'olio d'oliva viene dal mare» (zu Deutsch «das Olivenöl kommt vom Meer»). Es stammt aus der Zeit, als die Region Ligurien mit ihren vier grossen Häfen eine Seefahrernation waren und vor allem vom Maghreb Olivenöl nach Ligurien brachten.


Der neue Coop-Partner, Cavanna Olii, preist eines seiner bei Coop eingeführten Produkte allerdings als 100 % Italiano an. 14.95 kostet die 750-ml-Flasche. Ich habe ein solches Exemplar, das die Losnummer L.805B362 sowie das MHD 28.01.2025 trägt, gekauft, probiert und gleich wieder entsorgt. Das darin befindliche Öl ist meiner bescheidenen Meinung nach für "Extra Vergine" (so gibt sich das Ding zu erkennen) untauglich. Während ich meinem Gaumen nach der Degustation die nötige Erholung bieten musste, musterte ich das Rücketikett des Cavanna-Olivenöls sorgfältig und stellte fest, dass es als angeblich länderreines Olivenöl aus Italien keine Erntekampagne aufgeführt hatte. Demnach dürfte es sich mit aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Jahrgangsverschnitt handeln. Denn, wer Olivenöle verschiedener Jahrgänge mischt, darf keine Angaben zum Erntedatum machen. Weil das Öl in meinen Augen und vor allen Dingen nach meinem Gaumen, mit dem ich Bedauern habe, derart schlecht ist, vermute ich, dass es sich gar um einen Jahrgangsverschnitt aus 2021 und 2022 handelt. Ein Uralt-Öl. Üblicherweise notieren die Abfüller mindestens ein Haltbarkeitsdatum von 18 Monaten aufs Rücketikett. In einigen wenigen Fällen ist es weniger - etwa wenn sie wie Bertolli in den USA aufgrund einer sich auszuweiten drohenden Sammelklage vom Gericht dazu verpflichtet wurden. Das Cavanna-Olivenöl weist das MHD mit 28.01.2025 aus. Das spricht nach meinem Dafürhalten einerseits für ein seit Langem abgefülltes Olivenöl aus der Kampagne 2022/2023, dessen Restbestände von Coop relativ günstig aufgekauft werden konnten oder aber dafür, dass es sich um ein noch älteres Öl aus 2021/2022 handelt, welches bis vor Kurzem noch in den Tanks von Cavanna Olii lagerte und nun von Coop - ebenfalls zu einem vergleichsweise supergünstigen Preis - restlos aufgekauft werden konnte.



Das zweite Cavanna-Öl, welches Coop anbietet, ist das Bio-Öl aus der EU. CHF 9.95 kostet Dreiviertelliter-Flasche. Ein Spottpreis könnte man denken. Aber ich muss warnen. Es könnte sich auch bei diesem Bio-Öl um ein uraltes Olivenöl handeln.


Wer im Glauben und in der Hoffnung, ein paar Franken sparen zu können, zu den Ölen von Cavanna greift, tut sich aller Voraussicht nach keinen kulinarischen Gefallen. Warum tut Coop das? Weil Coop für die beiden Olivenöle mindestens ein Attest vorliegen hat, welches die Qualität "Extra Vergine" bescheinigt (wir wissen um die Korruption bei Prüfinstitutionen) und Coop so - mit wenig Sorge vor der Justiz - ihre Kundinnen und Kunden über den Ladentisch ziehen kann. Eines ist für mich klar: Gebanas Olivenöl aus Palästina ist ein Produkt, dass nicht hätte verkauft werden dürfen (evoo.expert hat darüber berichtet). Genauso müssten die Behörden mit Coop verfahren. Aber das ist Wunschdenken. Denn, wir schon die Prüfinstitutionen der Korruption bezichtigen, dann.... ach lassen wir das lieber sein.


Sie sehen: Ob kleine oder grosse Preise: Der Olivenölkauf ist und bleibt Vertrauenssache.



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