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Kommt es zum Olivenöl-Engpass?

Aktualisiert: 29. Sept. 2023


Olivenöldekanter in Griechenland (Bild: 123rf)
Olivenöldekanter in Griechenland (Bild: 123rf)

Wenn am kommenden Sonntag, dem 1. Oktober 2023, in den Olivenanbaugebieten der Europäischen Union die neue Olivenerntekampagne 2023/2024 ihren Start findet, werden schätzungsweise noch gut 280'000 bis 300'000 Tonnen Olivenöl aus der letzten Erntekampagne in den Tanks der EU-Olivenölerzeuger lagern.[1][2] Das entspricht etwas weniger als der Hälfte des Lagervolumens, welches vor Jahresfrist beim Erntewechsel übrig blieb. Das ist für nicht wenige Szenenbeobachter Grund genug, um Alarm zu schlagen. Sie befürchten nichts weniger als einen akuten Olivenölengpass im Spätherbst des aktuellen Jahres. Warum die Konsumenten hierzulande keine Angst vor leeren Olivenölregalen haben müssen, zeigt folgende Analyse.

Noch nie waren die Preise für Olivenöl - egal ob aus Spanien, Italien, Griechenland oder Tunesien - so hoch wie zurzeit. Das ist ein unwiderlegbarer Fakt. Allerdings, und das muss an dieser Stelle dringend festgehalten werden, war Olivenöl in den vergangenen zwanzig Jahren generell zu günstig. Das führte zu einer fortwährenden Industrialisierung des Wirtschaftszweiges.[3] Oder mit anderen Worten: Nur demjenigen, der Masse produzierte, gelang ein wirtschaftliches Überleben. Landflucht der Kleinbauern war eines der üblen Symptome, die sich aufgrund dieser Situation zeigten.




«Sie laufen nicht Gefahr, dass Sie plötzlich vor leeren Olivenölregalen stehen werden.»



Die mit Blick in die Vergangenheit aktuell hohen Preise für Olivenöl sollen einerseits wegen der Geo-Politik (militärischer Konflikt in der Ukraine und dessen direkten wie auch indirekten Auswirkungen) und wegen des nicht minder politischen Klima-Themas gestiegen sein. Letzteres soll, wie man lesen kann, in der vergangenen Kampagne zu einer Minderernte geführt haben. Und nun fürchtet man bereits mit überzeugender Sicherheit, dass sich dasselbe erneut - auch in der demnächst anbrechenden Kampagne - zutragen wird. Lange Rede, kurzer Sinn: knappes Angebot bei gleichzeitig hoher Nachfrage. Das soll die aktuellen Olivenölpreise erklären. Das darf jeder glauben, der nicht bereit ist, selber genauer hinzuschauen.


Es ist zwar auszuschliessen, dass Spanien in der am Sonntag beginnenden Erntekampagne 2023/2024 auch nur annähernd an die durchschnittliche Produktionsmenge der vergangenen 14 Jahre, die 1.298 Millionen Tonnen beträgt[4], herankommt. Schätzungen zufolge werden die Iberer in der in Kürze anbrechenden Saison rund 750'000 Tonnen Olivenöl produzieren können. In der Kampagne 2012/2013 hatte Spanien ebenfalls eine historisch schlechte Ernte eingefahren und produzierte lediglich rund 618'000 Tonnen Olivenöl.[5] Die Preise stiegen aufgrund dieser mengenmässig vergleichsweise geringen Ernte in der Folge aber nicht sprunghaft an - möglicherweise auch deshalb nicht, weil für die nächste Kampagne wieder eine Rekordernte erwartet werden konnte. Die ersten mehr oder weniger aussagekräftigen Ernteausblicke sind nämlich bereits im Frühjahr möglich, wenn die Olivenbäume blühen, und später zum Zeitpunkt der Fruchtsetzung kann die erste Schätzung entweder bestätigt oder korrigiert werden.


Weshalb aktuell die Preise für spanisches Olivenöl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 100 Prozent steigen[6], ist aber auch mit den eben angeführten Erklärungen nicht gänzlich herzuleiten. So bleibt die Frage, ob die Preisentwicklung das Ergebnis der Kumulation zweier mengenmässig unterdurchschnittlicher Ernten in Kombination mit den aktuell breiten und generellen Preissteigerungen ist?



Produktionsmengen- und Preisentwicklung für spanisches Olivenöl

Produktionsmengenentwicklung für spanisches Olivenöl und Konsumentwicklung für Olivenöl in Spanien

Produktionsmengenentwicklung für spanisches Olivenöl und Pro-Kopf-Konsumentwicklung für Olivenöl in Spanien

Preisentwicklung für spanisches Olivenöl und Pro-Kopf-Konsumentwicklung für Olivenöl in Spanien




Tragen Italiens Ernteaussichten zum hohen Preis für spanisches Olivenöl bei?

Ein Blick in die Statistik der italienischen Olivenölproduktion zeigt, dass unser südlicher Nachbar seit sechs Jahren generell weniger Olivenöl produziert. Kampagnen mit Fördermengen deutlich unterhalb der 300'000 Tonnen-Grenze sind schon länger keine Ausnahme mehr. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Italien unter guten Bedingungen gut und gerne 650'000 Tonnen Olivenöl produzieren könnte. So wurden in Italien im Zeitraum 2001/2002 bis 2005/2006 nämlich durchschnittlich 698'240 Tonnen Olivenöl gefördert.[7] Das durchschnittliche Fördervolumen der Saisons 2009/2010 bis und mit 2022/2023 beträgt ca. 345'000 Tonnen.[8] Schätzungen zufolge dürfte Italien in der in Kürze anbrechenden Kampagne 2023/2024 ungefähr gleich viel Olivenöl fördern wie in der vergangenen Kampagne 2022/2023.



Produktionsmengen- und Preisentwicklung für italienisches Olivenöl


(Grafik: evoo ag; Daten: IOC, Teatro Naturale)
(Grafik: evoo ag; Daten: IOC, Teatro Naturale)

Produktionsmengenentwicklung für italienisches Olivenöl und Konsumentwicklung für Olivenöl in Italien

Preisentwicklung für italienisches Olivenöl und Pro-Kopf-Konsumentwicklung für Olivenöl in Italien


Griechenland verzeichnete mengenmässig eine sehr gute Erntekampagne 2022/2023 mit deutlich rund 350'000 Tonnen, bei stark rückläufigem nationalem Konsum. Innerhalb von nur 14 Jahren ging der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum von Olivenöl in Griechenland um 50 Prozent zurück - von etwas über 22 Litern auf knapp 11 Liter.[9] Das hellenische Reich wird mit günstigerem Öl aus ausländischen Ölsaaten geflutet, das griechische Olivenöl krallen sich multinationale und italienische Konzerne, die es wiederum für ihre italienisch klingenden Marken nutzen, in hübsche Flaschen abfüllen und es entweder den Italienern zum Konsum vorsetzen oder es exportieren.




«Apropos Export & Italien: Wussten Sie, dass Italien mehr Olivenöl konsumiert und exportiert, als es offiziell produziert und importiert?»



Der Endlagerbestand der EU-Erzeuger für die am Samstag endende Kampagne beträgt wie eingangs erwähnt schätzungsweise 300'000 Tonnen. Das entspricht rund einem Fünftel der gesamten in der EU produzierten Olivenölmenge ebensolcher Kampagne. Ein Bestand welcher einer 9-Millionen-Schweiz immerhin 17 Jahre reichen würde.


Ende August 2023 beliefen sich alleine die Lagerbestände in spanischen Tanks auf insgesamt 321'183 Tonnen. Rund 36 Prozent davon lagerten bei Olivenölerzeugern, rund zwei Drittel bei Abfüllbetrieben und der Rest beim Gemeinschaftspatrimonium Olivarero, zudem wiederum Agrar-Kooperativen zählen.[10]


Im November 2023 werden in Spanien - wenn das Wetter günstig bleibt - erste beträchtliche Ölmengen produziert, was zu einer Entspannung der Lage führen könnte. Immerhin dürften die in den Tanks lagernden Restbestände allemal ausreichen, um die wenigen Wochen bis zur Ankunft des ersten neuen Olivenöls überbrücken zu können. Noch bedeutendere Fördermengen werden für Dezember 2023 und Januar 2024 erwartet. Und, immerhin haben wir seit spätestens zwei Monaten das neue Olivenöl der südlichen Hemisphäre in den Tanks der Produzenten südlich des Äquators liegen.


Es wird also keinen Olivenöl-Engpass geben und Sie laufen nicht Gefahr, dass Sie plötzlich vor leeren Olivenölregalen stehen werden. Immerhin haben die Lebensmitteleinzelhändler ihrerseits einen respektablen Olivenölvorrat an Lager. Bis zum November dürften die Preise für Olivenöl insbesondere in den Läden allerdings weiter steigen.


Zu verdanken haben wir dies nicht einem "ausser sich geratenen" Klima[11], wie man uns gerne glauben lassen will, sondern "liberalen" Menschenfreunden, die sich nicht zurückhalten, den Strick, den sie um unseren Hals gelegt haben, Stück für Stück enger zu ziehen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die zahlreichen Kostensteigerungen, die von den arbeitenden Menschen im Rahmen der grossen Vermögensumverteilung bereits zu tragen sind oder noch zu tragen sein werden. Mieten, Krankenkassen, Treibstoffe, öffentlicher Verkehr, zahlreiche Haushaltsprodukte und Lebensmittel sowie eine ab 01.01.2024 nach oben angepasste "Mehrwert"-Steuer. Da fällt es schwer, den Humor nicht zu verlieren, nicht wahr?


Trotz der vorherrschenden Unsicherheiten und steigenden Preise soll Olivenöl ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Küchen und Esskulturen bleiben. Für Sie als Konsument mag es zwar entmutigend erscheinen, dass die Preise zunehmend steigen, jedoch betrifft die Preis-Rally vorwiegend Einstiegspreis-Ware, sogenannte Commodity, während die Preise für Premium-Öle auf einem deutlich höheren Niveau weniger volatil zu sein scheinen. Olivenöl ist ein kostbares Produkt. Die Menschen, die es unter viel Entbehrung erzeugen, müssen anständig bezahlt werden, damit sie dieser Arbeit weiterhin nachgehen und ein würdiges Leben leben können. Hochwertiges Olivenöl, hergestellt mit Sorgfalt und Respekt vor der Natur und den Menschen, die es konsumieren, bleibt eine Investition in Genuss und Gesundheit.


Und während wir uns in einer Welt der Unsicherheit bewegen, bietet uns die Küche nicht nur einen Ort der Beständigkeit, sondern auch einer der Freude. Das Zubereiten und das Teilen von Mahlzeiten mit geliebten Menschen sind schöne Rituale, die uns verbinden und uns Lebensfreude schenken. Ein gutes Olivenöl ist dabei mehr als nur ein funktionaler Kalorienlieferant – es ist ein äusserst werthaltiges Elixier mit tiefgehender Geschichte, das einfachste Gerichte veredelt und unseren Alltag stets zu bereichern weiss.





Quellen

[1] Ending Stocks 2022/2023, European Commission, Agriculture and Rural Development, Olive Oil Dashboard 28.07.2023; zu finden unter: https://agriculture.ec.europa.eu/data-and-analysis/markets/price-data/price-monitoring-sector/olive-oil_en

[2] Ending Stocks 2022/2023, Teatro Naturale, l'arca olearia, L’olio extra vergine di oliva sarà poco e caro: campagna olearia di scarica in tutto il Mediterraneo, 22.09.2023; zu finden unter: https://www.teatronaturale.it/strettamente-tecnico/l-arca-olearia/40564-l-olio-extra-vergine-di-oliva-sara-poco-e-caro-campagna-olearia-di-scarica-in-tutto-il-mediterraneo.htm

[3] Industrialisierung des Olivenanbaus,Istituto di Servizi per il Mercato Agricolo Alimentare ISMEA, Olio d'oliva, Scheda di settore, Le aziende olivicole secondo i censimenti; zu finden unter: https://www.ismeamercati.it/flex/files/1/7/6/D.30a25f4abf280eb9ce7f/SchedaOlio_luglio2023.pdf

[4] Durchschnittliche Produktionsmenge in Spanien in den vergangenen 14 Jahren, International Olive Council, Figures, World Olive Oil and Table Olive Figures, EU Olive Oil Figures, Production; zu finden unter: https://www.internationaloliveoil.org/wp-content/uploads/2022/12/HO-CE901-13-12-2022-P.pdf

[5] Produktionsmenge in Spanien in der Kampagne 2012/2013, International Olive Council, Figures, World Olive Oil and Table Olive Figures, EU Olive Oil Figures, Production; zu finden unter: https://www.internationaloliveoil.org/wp-content/uploads/2022/12/HO-CE901-13-12-2022-P.pdf

[6] OIivenölpreise in Spanien, Teatro Naturale, Borsino dell'Olio, SCOCCIA Marcello; zu finden unter: https://www.teatronaturale.it/strettamente-tecnico/borsino-dell-olio.htm

[7] Produktionsmenge in Italien im Zeitraum 2001/2002 bis 2005/2006, International Olive Council, Figures, World Olive Oil and Table Olive Figures, EU Olive Oil Figures, Production; zu finden unter: https://www.internationaloliveoil.org/wp-content/uploads/2022/12/HO-CE901-13-12-2022-P.pdf

[8] Durchschnittliche Produktionsmenge in Italien in den vergangenen 14 Jahren, International Olive Council, Figures, World Olive Oil and Table Olive Figures, EU Olive Oil Figures, Production; zu finden unter: https://www.internationaloliveoil.org/wp-content/uploads/2022/12/HO-CE901-13-12-2022-P.pdf

[9] Olivenölkonsum in Griechenland in den vergangenen 14 Jahren, International Olive Council, Figures, World Olive Oil and Table Olive Figures, EU Olive Oil Figures, Consumption; zu finden unter:https://www.internationaloliveoil.org/wp-content/uploads/2022/12/HO-CE901-13-12-2022-C.pdf

[10] Lagerbestände in Spanien, Mercacei, Mercado del aceite de oliva en agosto: producción acumulada de 664.034 t. y salidas de 62.507 t., 12.09.2023; zu finden unter: https://www.mercacei.com/noticia/59443/actualidad/mercado-del-aceite-de-oliva-en-agosto:-produccion-acumulada-de-664.034-t.-y-salidas-de-62.507-t..html

[11] Klimawandel und die Patente zur Manipulation des Wetter, Wetteradler; zu finden unter: https://wetteradler.de/patente


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