Neue US-Ernährungsrichtlinien und Lebensmittelpyramide: Kein vollumfänglicher Freispruch für gesättigte Fettsäuren
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Am 7. Januar 2026 präsentierte der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., zusammen mit dem Commissioner der Food and Drug Administration, Martin Adel Makary, und weiteren Personen aus dem Kabinett Donald J. Trumps, die US-Ernährungsleitlinien 2025-2030. Zusammen mit diesen Leitlinien veröffentlichte Robert F. Kennedy Jr. auch eine neue Lebensmittelpyramide (siehe Titelbild).
Wie anhand ebensolcher Pyramide unschwer zu erkennen ist, liess Kennedy seinen Worten Taten folgen. Die Botschaft ist klar: Esst echte Lebensmittel (Eat Real Food).
Demnach bildet eine ausreichende Versorgung mit qualitativ hochwertigen Proteinen (tierischen und pflanzlichen Ursprungs) und Gemüse die Basis. Neu werden 1.2 bis 1.6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag empfohlen. Die alte Proteineinnahmeempfehlung begründeten auf längst vergangenen Zeiten, in denen Nahrungsmittelknappheit herrschte, so die Vortragenden. Nun gehe es aber darum, gedeihen zu können.
In den Leitlinien steht dazu: "Verzehren Sie eine Vielfalt an proteinreichen Lebensmitteln aus tierischen Quellen, darunter Eier, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte sowie rotes Fleisch, sowie eine Vielfalt an pflanzlichen Proteinquellen, darunter Bohnen, Erbsen, Linsen, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Soja." Auch ungezuckerten Vollmilchprodukten wird neu ein hoher Stellenwert beigemessen.
Wo rotes Fleisch auf der knapp einjährigen Schweizer Ernährungspyramide gänzlich fehlt, nimmt es in der neuen US Food Pyramid einen prominenten Platz als Basiszutat ein.
Das Steak vom Rind ist also rehabilitiert. Oder doch nicht?
So einfach ist es dann aber doch nicht, zumindest nicht für jene, die Lesen können und diese Begabung auch einsetzen. In den Leitlinien selber wird unter dem Punkt "Incorporate Healthy Fats" nämlich aufgeführt, dass die Einnahme von gesättigten Fettsäuren generell nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme ausmachen sollen.
Als tägliche Kalorienaufnahme werden 2000 kcal angenommen. Maximal 200 kcal dürften demnach mit gesättigten Fettsäuren gedeckt werden. Dass diese Grenze schnell erreicht ist, merkt, wer sich für Lebensmittel interessiert und rechnen kann.
Einen Caprese-Salat zum Mittagessen zu vertilgen (eine grosse Tomate, eine Kugel Büffelmozzarella à 125 g, zwei Esslöffel Olivenöl, ein Esslöffel Aceto Balsamico, Salz, Pfeffer), würde bedeuten, mit 181 kcal gefährlich nahe am gesetzten Höchstwert zu kratzen. Wer sich jetzt daran erinnert, sich zum Frühstück ein Butterbrot mit 5 Gramm Butter genehmigt zu haben, liegt bereits nach dem Mittagessen bei über 200 kcal an gesättigten Fettsäuren. Ein Joghurt zum Abendessen würde ebenso wenig drinliegen wie eine Portion Tofu.
Natürlich, Büffelmozzarella enthält relativ viele gesättigte Fettsäuren. Eine Scheibe Hochrippe vom Rind (schweiz. Rindshohrücken) kann aber genauso zu Buche schlagen (130 bis 220 kcal gesättigte Fettsäuren).
Es gibt also einen eklatanten Widerspruch zwischen der neuen US-Lebensmittelpyramide und den neuen US-Ernährungsrichtlinien, denen die Pyramide eigentlich untergeordnet ist. Wie viele Amerikaner sich einzig und alleine nach dem Bild richten, ist nicht klar. Sicher ist aber, dass für all jene Institutionen, die sich nach den neuen Leitlinien richten müssen, das geschriebene Wort gilt.
Das bedeutet: Kein vollumfänglicher Freispruch für die gesättigten Fettsäuren. Obschon genau das von Martin Adel Makary, dem Commissioner der Food and Drug Administration und von Robert F. Kennedy Jr. angekündigt wurde.
Der angesehene Schweizer Ernährungswissenschaftler Dr. Paolo Colombani schrieb im Juni 2025 auf notabenenutrition.media: "Die häufige Aussage, gesättigte Fettsäuren seien ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wurde wissenschaftlich nie bestätigt."
Zur widersprüchlichen US-Kommunikation in Ernährungsleitlinien und Lebensmittelpyramide sagt er auf LinkedIn: "Die Antwort liefert Nina Teicholz ihn ihrem Blogbeitrag: Eine taktische Entscheidung, um die Diskussion nicht auf die gesättigten Fettsäuren zu lenken ("First, they didn’t want saturated fat to be the headline of the guidelines release"). Nehmen wir daher die Pyramide als grundsätzlichen Fortschritt - bzw. einen Schritt in Richtung Gleichschaltung mit der wissenschaftlichen Evidenz. Und lesen zuerst die Pyramide, dann den Rest. Bei Unstimmigkeiten glitt immer das Erste - also die Pyramide ;-). Die sinnfreie 10 % Einschränkung bei den gesättigten Fettsäuren wird dann später fallen - vielleicht."
Wie dem auch sei, die US-Gesundheitsbehörden empfehlen jetzt immerhin ausdrücklich Fett aus Oliven und "Olivenöl".
Quellen:
