Olivenöl: Spaniens Februar-Produktion reichte dem Konsum der Schweiz für knapp 21 Jahre aus


Gutes Olivenöl aus Italien wird in diesem Jahr rar sein.

Ich muss Ihnen etwas erzählen, Watson. Wollen wir uns setzen?

Ich hier und Sie da, Holmes?

Nein, ich da und Sie hier, Watson.


Spanien, mein lieber Watson, produzierte alleine im Februar 2019 mit 274'000 Tonnen Olivenöl deutlich mehr grünes Gold, als Italien mit 180'000 Tonnen Olivenöl in der gesamten aktuellen Erntekampagne erzeugt. Ein regenreiches 2018 beschert den Iberern ein Rekordjahr, was die Produktionsmenge anbelangt, während unser südlicher Nachbar Italien auf eine miserable Olivenölsaison zurückblicken, deren Gründe vor allem in den wechselhaften und extremen klimatischen Verhältnissen mit Frost, Schnee, Windstürmen, Hitze und spät einsetzendem Regen zu finden sind. Quasi jeder Landesteil Italiens hatte mit anderen Wetterkapriolen zu kämpfen.


Spaniens zwischenzeitliche Produktions- und Vorratsbilanz per Ende Februar ist, was die Mengen betrifft, absolut eindrücklich: - Totalproduktion von 1.690 Mio. Tonnen - Lagervorrat von 1.521 Mio. Tonnen


Zur konkreten Verdeutlichung vielleicht noch dieser Vergleich:

Die alleine im Februar 2019 in Spanien produzierten 299'126'637 Liter Olivenöl würden den Schweizer Bedarf an Olivenöl für rund 21.5 Jahre decken, nimmt man an, das der Pro-Kopf-Konsum für (unveränderte) 8.42 Millionen Einwohner bei ca. 1.65 Litern liegt.


Tolle Sache, denkt sich manch einer. Nur, das im Februar 2019 in Spanien aus überreifen Oliven produzierte Olivenöl erfüllt die qualitativen Anforderungen an natives Olivenöl extra nicht. Bei Weitem nicht. Gutes Öl aus gesunden Oliven wurde diese Saison vor dem Jahreswechsel produziert. Die Vereinigung der Olivenöl produzierenden Gemeinden Spaniens macht immer wieder auf diese Tatsache aufmerksam.


Die "guten" spanischen Öle sind heuer grossartig. Wer noch keines probiert hat, überzeuge sich schleunigst davon. In unserem Webshop haben wir eine kleine aber feine Auswahl für davon. Gegen die spanische Qualitätsproduktion ist in diesem Jahr kein Kraut gewachsen. Will heissen, was wir aus Italien haben, reicht nicht, um mit den Top-Ölen aus Spanien mithalten zu können.


Und trotzdem, das Risiko, dass so mancher Schweizer Konsument in den nächsten 18 Monaten spanisches Februar-2019-Öl, etikettiert als Extra Vergine, anlächeln und kaufen wird, ist hoch. Die spanische Rekordproduktion, die einen regelrechten Preissturz der an der Ölbörse gehandelten Ware verursachte, radierte jüngst den CEO des noch grössten Olivenölabfüllers der Welt weg. Pierluigi Tosato fiel dem Regen und der daraus resultierenden Ölschwemme zum Opfer. Seine Produkte waren im Vergleich zu jenen der Konkurrenz viel zu teuer, was ihn abermals Umsätze und schlussendlich auch den Job kostete. Die jubelnden Marktteilnehmer dürften dieses Jahr die Lebensmitteleinzelhändler sein, die heuer zu Tiefstpreisen an spanisches Olivenöl gelangen. An Februar-Öl beispielsweise. Oder noch schlimmer: An Blut-Öl, welches den syrischen Kurden in Afrin durch die türkische Invasion gestohlen wurde und über die Türkei als türkisches Öl den Weg nach Spanien fand.


Was sagen Sie dazu, Watson?

Ich bin sprachlos, Holmes.


Was sich wie ein neuer Fall aus der Reihe Sherlock Holmes anhört, ereignet sich gerade tatsächlich. Bleiben Sie also kritisch, liebe Olivenölliebhaber.


Ihr Master of Olive Oil


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