MIGROS: Olivenöle der zweiten Güteklasse «sind meist kräftiger im Geschmack»
- vor 5 Tagen
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Die Migros war die zweite Detailhändlerin der Schweiz, die ein Olivenöl der zweiten Güteklasse "vergine" ins Sortiment aufnahm.
Aus ihrem M-Budget Olivenöl "extra vergine" machte sie vor acht Jahren kurzerhand ein "vergine". Selbes Produkt, andere Qualitätsauslobung. Das war klug. Für die Kunden änderten sich also weder Preis noch Qualität. Auch das Etikett blieb weitestgehend gleich.
Damit entzog die Migros ihr M-Budget Olivenöl dem Risiko, in öffentlichkeitswirksamen Tests wie von Kassensturz oder K-Tipp abgestraft zu werden. Denn dort werden meistens nur Olivenöle geprüft, die unter "extra vergine" vermarktet werden. Aber auch die Gesetzeshüter schielen bei ihren spärlichen Kontrollen gerne auf die Kategorie "extra vergine".
Auf ihrer Webseite schreibt die Migros zur Kategorie "vergine", die Vertreter dieser Stufe seien meist "kräftiger im Geschmack" (siehe Titelbild).
Diese Feststellung ist höchst interessant. Sie ist keineswegs falsch, braucht aber Präzisierung.
Native Olivenöle, also "extra vergine", "vergine" und "lampante" werden nach positiven und negativen sensorischen Attributen eingestuft.
Während ein "extra vergine" gänzlich frei von Fehlern (negative Attribute) sein und mindestens ein kleines bisschen Fruchtigkeit (positives Attribut) aufweisen muss, darf "vergine" bei mindestens minimaler Fruchtigkeit leichte Fehler (negative Attribute) aufweisen. Olivenöle der Kategorie "lampante" weisen entweder mittel-starke bis kräftige Fehler auf und / oder haben keine Fruchtigkeit.

Wenn Migros schreibt, "vergine" Olivenöle «sind meist kräftiger im Geschmack», darf man diesen kräftigeren Geschmack keineswegs mit positiven Attributen (Fruchtigkeit) gleichsetzen, sondern muss damit die negativen Attribute meinen, die mit Nase und Gaumen deutlich wahrnehmbar sind und deshalb zur Einstufung in die zweite Güteklasse führen.
Das M-Budget Olivenöl "vergine" ist, um es mit den richtigen Begriffen zu schreiben, meist: schlammig, stichig und weinig. Und oft auch: ranzig. Weit entfernt von "extra vergine" also. Dafür aber ganz nah an Lampant-Öl.



